Polylactid als Basis für Barrierelacke

Flexible Flächenmaterialien, wie Kunstleder, werden überwiegend aus PVC oder Polyurethan hergestellt. Deren Anwendungsgebiete sind breit gefächert. Anforderungen wie mechanische Belastbarkeit der Kunstleder und die Beständigkeit gegenüber Chemikalien und Anschmutzmedien können mit einer Lackausrüstung der Materialoberfläche maßgeblich beeinflusst werden. Hochwertige Lacke schützen die Oberfläche vor dem Eindringen einer Vielzahl von Chemikalien, allerdings gibt es bisher keinen wirksamen Schutz gegen das Anfärben mit stark färbenden organischen Molekülen (Haarfärbemittel, Edding, Kugelschreiber etc.). Auch die meisten Lösemittel, Desinfektionsmittel und Cremes stellen nach wie vor eine Herausforderung dar, da sie in der Lage sind, die Lackschicht anzulösen bzw. in die Lackschicht zu migrieren. 

Die Migration organischer Moleküle durch die Lackschicht hindurch stellt ein Problem dar, das sowohl in die Polymerschicht hinein als auch aus der Polymerschicht heraus besteht. So führt die Migration von Weichmachern aus PVC heraus zu einer Verhärtung des PVC-Produktes und damit zu einer Veränderung der Eigenschaften (z. B. Versprödung). Steht die PVC-Beschichtung in direktem Kontakt mit anderen Materialien wie z. B. Kaschierschäumen, migriert der Weichmacher in diese Kontaktmaterialien und verändert auch deren Eigenschaften.

Am FILK wurde ein Lack mit hoher Barrierewirkung für organische Moleküle auf Basis von Polylactid (PLA) entwickelt. Je nach Zusammensetzung des PLA-Lackes ist dieser für PVC- oder PUR-Kunstleder geeignet. Der Lack verzögert extrem die Migration von Weichmachern aus PVC-Kunstledern heraus bzw. von färbenden Medien in Kunstleder hinein. Der PLA-Lack ist lösemittelbasiert und hat einen Feststoffgehalt von etwa 10 %. Da es sich um ein 1K-System handelt, besteht eine lange Lagerfähigkeit. Die Applikation kann im üblichen Tiefdruckverfahren mit Rasterwalzen erfolgen. Im Anschluss wird der Lack bei 150 °C für 3 min getrocknet. Im Nachgang kann eine Prägung bei Temperaturen bis 155 °C erfolgen.